Mit «Haute tension» und «The Hills Have Eyes» hat der französische Nachwuchs-Regisseur Alexandre Aja internationale Berühmheit erlangt. Waren seine letzten beiden Filme noch äusserst brachiale und brutale Slasher-Streifen, setzt er in «Mirrors» auf subtilere Mittel und besessene Spiegel, die dem Menschen nichts Gutes wollen.
Die Ausgangslage kommt einem bekannt vor: Der Ex-Cop Ben Carson (Kiefer Sutherland) hat einen tiefen Fall hinter sich. Nachdem er im Dienst des NYPD versehentlich einen tödlichen Schuss auf einen Kameraden abgegeben hat, leidet er an starken psychischen Problemen und wird vom Dienst suspendiert. Es folgt der Griff zur Whiskey-Flasche und die Trennung von der Familie. Doch wir reden hier immerhin von Kiefer Sutherland, dem Mann, der in «24» die Welt merhmals im Alleingang vor einem terroristischen Supergau bewahrt hat. Und ein Mann von diesem Kaliber gibt nicht so schnell auf. Trotz Wut und Schuldgefühlen kämpft er gegen seine Alkohol- und Pillensucht an und nimmt mehr oder weniger als letzte Option einen Job als Nachtwächter im Mayflower Department Store, einem ehemaligen Luxuskaufhaus, an.
Das Mayflower-Gebäude ist auch der Ort, an dem ein Grossteil von «Mirrors» spielt. Vor einigen Jahren durch einen Brand zerstört, steht der Konsumtempel nun hinter hohen Absperrungen inmitten der Wolkenkratzer von New York, vergessen und unheimlich. Alexandre Aja gibt Kiefer Sutherland bei seinem neuen Arbeitsplatz keine Verschnaufpause, denn schon bei seiner ersten nächtlichen Kontroll-Tour geschehen seltsame Dinge. Die vielen grossen und kleinen Spiegel im Mayflower scheinen ihn zu beobachten, zeigen ihm plötzlich Türen, die von selbst aufgehen, leidende Menschen und brennende Körper. Bald schon werden die Trugbilder so real, dass selbst Ben nicht mehr daran glaubt, dass es sich nur um Illusionen handelt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt; Ben muss herausfinden, was die Spiegel von ihm wollen (so seltsam das auch klingt), bevor diese seine ganze Familie und andere Personen ins Verderben stürzen.
Alexandre Aja vermischt in seiner Neuverfilmung des koreanischen Horrofilms «Geoul sokeuro» verschiedene Genres und Stilmittel, kombiniert atmosphärische Schaudermomente mit brutalen Horror-Szenen, wie wir sie aus «Haute tension» und «The Hills Have Eyes» gewohnt sind. Dies gelingt ihm auch sehr gut, zumindest in der ersten Hälfte des Filmes. Bens nächtliche Gänsehaut-Touren durch das ausgebrannte Kaufhaus sind wunderschön schaurig inszeniert, und die Szene, in der sich Bens Schwester Angela (Amy Smart) den Kiefer auseinander reisst, gehört zum Schockierendsten, was man in den letzten Jahren im Kino gesehen hat. Sobald Aja aber damit beginnt, Erklärungen für den Spiegelterror zu liefern, verpufft der Reiz von «Mirrors». Das liegt daran, dass Aja schlichtweg keine schlauen Ideen hat und dem Zuschauer die üblichen Klassiker wie besessene Mädchen, psychiatrische Anstalten und dämonische Wesen auftischt. Gegen den Schluss verbiegt Aja die scheinbar geltenden Regeln immer mehr und tut so der Glaubwürdigkeit von «Mirrors» auch keinen Gefallen. Ajas zweites Remake nach «The Hills Have Eyes» ist spannend und visuell ansprechend, mehr aber auch nicht. [Steven Marriott]
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