Als die israelische Armee 1982 im Libanon einmarschiert, beginnt ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Nahen Ostens. Regisseur Ari Folman - selbst Soldat zu dieser Zeit - verarbeitet seine persönlichen Erlebnisse des Libanonkrieges in einem Animations-Dokumentarfilm. In surrealistisch anmutenden Bildern unterstreicht er die Sinnlosigkeit des Feldzuges gegen den Terror.
Eines Nachts erzählt ein alter Freund dem Regisseur Ari Folman in einer Bar seinen Albtraum: 26 blutrünstig dämonische Hunde jagen ihn Nacht für Nacht. Den Traum führt er auf Erinnerungen an seine Erlebnisse im Libanonkrieg zurück. Folman stellt derweil fest, dass ihm jegliche Erinnerungen an den Krieg fehlen. Auf Anraten seines befreundeten Psychiaters sucht er Freunde und Kameraden auf, um die Lücken in seinem Gedächtnis zu schliessen. Allmählich kehrt in verschiedenen Gesprächen seine Erinnerung an das Geschehene zurück.
Libanon, 1982: Die israelische Armee marschiert in Beirut ein. Auslöser sind von Beirut ausgehende Angriffe der PLO auf nordisraelische Städte. Daraufhin beschliesst die israelische Regierung eine Sicherheitszone im Süden Libanons bis zur Hauptstadt zu besetzen. Mitten im Kriegsgetümmel ist auch Ari Folman als 19-jähriger Soldat. Der politische Sinn des Feldzuges wird ihm und den anderen Soldaten aber vorenthalten. Der Verbündete Bashir Gemayel, Anführer der «falangistischen» christlichen Miliz soll zum Präsidenten ernannt werden, damit der Libanon zum geographischen Schutzschild für Israel wird. Als Gemayel aber durch ein Bombenattentat getötet wird, schwören seine Anhänger Rache. Während die israelische Armee sich in Unwissenheit wiegt, verüben Phalange-Milizen ein Massaker in palästinensischen Flüchtlingslagern.
Ari Folman verarbeitete seine persönliche Geschichte in «Waltz with Bashir». Zuerst drehte er einen Videofilm mit den Interviews und schnitt ihn wie einen 90-minütigen Film im Studio. So entstand ein Storyboard mit 2300 Zeichnungen, die er anschliessend mit einem Team von Grafikern in Flash-, 3D- und klassischer Animation bearbeitete. Somit entstand mit «Waltz with Bashir» der erste, auf realen Interviews und Ereignissen basierende Animations-Dokumentarfilm in Spielfilmlänge. Für den Film wurde auch keine Rotoskopie eingesetzt, mit der das Bild über dem Videobild abgezeichnet wird, wie in «Waking Life» oder «A Scanner Darkly» von Richard Linklater. Die Zeichnungen wurden von A bis Z neu geschaffen.
Diese Machart passt perfekt zur Surrealität des Krieges. In atemberaubenden Bildern - sein erstes Flashback beispielsweise, wo er im Meer treibt, während Beirut von Leuchtraketen erhellt wird - schafft Folman Kriegsszenarien aufgrund der Aussagen, greift tief in die menschliche Psyche und verarbeitet subjektive Erinnerungen des Libanonkrieges. Vielleicht schafft die Animation auch die nötige Distanz, denn für Folman war der Film auch Therapie. Seine Message bleibt derweil eindeutig: Israel führt schon lange den ausweglosen Krieg gegen den Terror. Fernab von Glanz und Ruhm zeigt Folman die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens auf. Sich auf einen Walzer auf dem Parkett der Terrorbekämpfung einzulassen, bleibt eine rutschige Angelegenheit. [Dominik Petermann]
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