Der grosse Kater - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland (2009) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 100min |
| Regie: | Wolfgang Panzer |
| Kinostart: | 28.10.2010 |
| Drehbuch: | Urs Buehler |
| Dietmar Güntsche |
Zum Glück spielt Bruno Ganz mit
An Wolfgang Panzers Verfilmung von Thomas Hürlimanns Roman ist vor allem Bruno Ganz gut. Mit seiner Präsenz und seinem Können verleiht er einer vielschichtigen Politikerfigur die Grösse, die in seinem Namen steckt.
Der Schweizer Bundespräsident (Bruno Ganz), «der Kater» genannt, ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch Bevölkerungsumfragen zeigen, dass sein Image gelitten hat; auch in der Partei wird gegen ihn gewettert. Da erscheint der Staatsbesuch des spanischen Königs als perfekter Anlass, sich als grossen Staatsmann feiern zu lassen. Doch der Event droht zur Staatsaffäre zu werden. Katers Freund und Sicherheitschef Pfiff (Ulrich Tukur) fädelt eine Intrige ein, die den Kater zu Fall bringen soll. Während Medien und Öffentlichkeit den Empfang feiern, ringt der Kater hinter den Kulissen mit seinem Untergang.
Dass Wolfgang Panzers Film aber durchaus gelungen ist, liegt zur Hauptsache an Thomas Hürlimann. Er hat ein düsteres und packendes Porträt über einen Politiker geschrieben, als dessen Vorbild ihm sein eigener Vater und Alt-Bundesrat Hans Hürlimann diente. Von der Vielschichtigkeit der Vorlage wäre im Film ohne Bruno Ganz allerdings nicht viel zu erkennen. Sein Spiel erweckt die Romanfigur in all ihren Facetten zu neuem Leben: der volksnahe Politiker mit Sinn für Inszenierungen, der besorgte Vater und berechnende Taktiker. Nie lässt sich der Kater einfangen oder festnageln - und wärmt einem doch das Herz.
Ist Bruno Ganz allerdings mal nicht im Bild, wird das Eis sehr dünn. So bleibt unklar, warum Schauspieler vom Format eines Ulrich Tukur engagiert werden, wenn man Statisten aus ihnen macht; und die schweizerdeutsche Synchronisation stört auch nur. Grosse Namen, pompöse Inszenierungen, aufwändige Ausstattung und viele Statisten allein garantieren noch keine Qualität.
In gleicher Manier wird im Drehbuch die Vielschichtigkeit der Romanvorlage einem mehrheitsfähigeren Genrefilmplot geopfert. Aus der fein gesponnenen Intrige wird ein spannungsgeladener Politthriller. Die Flashbacks in Katers Kindheit sind so romantisch verklärt, dass sie - anstatt sein animalisches Wesen zu ergründen - ihn in das rührselige Schema des armen Bauernburschen pressen, der zum obersten Mitglied der Landesregierung aufsteigt. Trotz des immensen Aufwandes bleibt der Film ästhetisch in den gewohnten Bahnen. Kurzum: Von Bruno Ganz' Leistung abgesehen, fehlt es der Verfilmung an dem, was der Kater - gemäss seiner Ehefrau (Marie Bäumer) - seinem Widersacher Pfiff voraus hat: an Grösse. [Beatrice Minger]
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